Historie
Die Geschichte und das Vereinsleben
der Modellfluggruppe Ramelsloh e.V.
Alles begann wohl mit den beiden Modellflugaktivisten Heinrich Jobmann und Herrmann Allerding, beide aus Ramelsloh. Sie flogen zuerst Mitte / Ende der 60er auf einem Stück Brachland oberhalb der Seevewiesen südwestlich von Ramelsloh. Schnell fanden sich weitere Gleichgesinnte.
Anfang der 70er Jahre kam dann Bewegung in die Gruppe als in der Gemarkung Ramelsloh eine Flurbereinigung durchgeführt werden sollte, die auch das Brachland in den Seevewiesen betraf. Um bei der Neuverteilung der Ackerflächen im Zuge der Flurbereinigung eine Berücksichtigung zu finden, wurde dann am 04.03.1973 die Modellfluggruppe Ramelsloh e.V. unter dem Vorsitz von Heinrich Jobmann gegründet.
Die Modellflieger mussten ihre kleine Brachlandecke räumen, erhielten aber ein nahe liegendes Gelände auf dem Jägerberg zwischen Ramelsloh und Marxen in Aussicht gestellt. Die zwischenzeitliche Nutzung zweier Ausweichgelände scheiterte am Widerstand von Anliegern und Spaziergängern.
1974 wurde das Gelände am Holtorfer Weg zwischen den Ortschaften Holtorfsloh und Pattensen gefunden. Am 29.9.1974 wurde der erste Pachtvertag mit dem Bauern Hermann Heitmann geschlossen. Das Gelände wurde aufgebaut und war fortan die Heimstätte des Vereins.
1976 wurde das Gelände auf 10 Morgen (2500 ha) vergrößert.
1981 kam noch eine Mitnutzung des von Günther Oertzen gepachteten südwestlichen Wiesengrundstückes hinzu, was vor allen Dingen den Seglern beim Windenstart zugute kam.
1990 beschloss die Stadt Winsen den Modellflugplatzes in den Flächennutzungsplan aufzunehmen.
Turbinenentwicklung
Zur gleichen Zeit fand eine kleine Truppe zusammen und verschrieb sich der Entwicklung von Turbinenantriebe für Modellflugzeuge.
Lothar Zimmerman, Alfred Kittelberger und Heiko Höft starteten die Turbinenentwicklung mit den Werkstoffen und Herstellungsverfahren was die Hobbywerkstatt so hergab.
Verdichter aus Sperrholz oder Gehäuse aus Gaskartuschen muten schon sehr abenteuerlich an. Aber bald wurden die Turbinen schubstärker und waren Beweis für ihr professionelles Vorgehen. Anerkennung wurde ihnen nicht nur im Verein sondern deutschlandweit und auch im Ausland gezollt.
Die erste Hütte
Eine kleine Hütte zur Unterbringung von Geräten war mittlerweile aus dem Nichts entstanden. Die Hütte wurde 1993 abgerissen.
Hütte Nummer 2
Eine neue Hütte mit großzügigem Unterstand sowie eine Garage für die Geräte wurde im Jahr 1993 gebaut. Diesmal mit offizieller Baugenehmigung auf dem im Flächennutzungsplan eingetragenem Gelände. Gepflanzt wurde auch so wie es die Baugenehmigung verlangte.
Ein Rasenmäher muss her
Die Fläche des Geländes war mittlerweile auf ca. 2,5 ha angewachsen. Hatte im Anfang der Grundbesitzer Bauer Heinrich Heitmann mit viel Liebe die Wiese gemäht, wurde 2005 nun ein Spindelmäher zur Rasenpflege angeschafft und begeisterte Jung und Alt.
Flugplatzfest
Seit den 1980er Jahren wurde einmal im Jahr zum Flugplatzfest eingeladen, um mit Freunden und deren Familien zu fliegen und zu feiern.
Über die Jahre erfreute sich dieses Treffen immer größerer Beliebtheit im norddeutschen Raum. Bis zu 80 Piloten teilten sich den Luftraum und ein großer Teil des Geländes wandelte sich während des Festes zum Campingplatz.
Die Flightline war gut besucht.
Für das leibliche Wohl sorgten ein Pommesbude und natürlich unsere Damen mit selbst gebackenem Kuchen.
Für die Kids gab es auch ein Unterhaltungsprogramm.
Ausstellung 1. Mai Bauer Behr
Jedes Jahr luden Bauer Behr und alle umliegenden Vereine zum 1. Maifest in die Hallen von Bauer Behr ein. Wir Modellflieger nahmen das zum Anlass unsere Schätze auszustellen und die Kids sind vom Flugsimulator begeistert.
Die Einnahmen des Festes waren zum Auffüllen der Vereinskasse immer willkommen.
Die Modellvielfalt
Fliegerisch ging man mit der Zeit. Die Modelle wurden gleichzeitig größer und kleiner. Neunzylinder Sternmotoren wie auch Turbinenantriebe mit 30 kp Schub gehörten genauso zum Modellpark wie elektrisch angetriebene Großmodellen und Großsegler.
Insgesamt blieb es aber bei einem recht bunten und vielfältigen Mix von groß bis ganz klein.
So mancher Trost musste gerade beim Nachwuchs gespendet werden.
Bei aller Liebe zu großen Modellen wurde das Kind im Mann nicht unterdrückt.
Der Schaumstoffgleiter „Flexi“ wurde mit Lötkolben ausgehöhlt und mit Steuerung und E-Antrieb ausgerüstet. Wie es bei Kindern nun mal so ist, nicht immer herrscht Frieden- auch nicht in der Luft.
Nicht nur die Hummel lässt Aerodynamiker an ihren Berechnungen zur Flugfähigkeit zweifeln.
Wettbewerbe
Jährlich wurden die vereinsinternen Wettbewerbe ausgetragen. Im Anfang waren es die Kategorien Motorflug (Kunstflug mit Verbrennern) und Segelflug mit Windenstart.
Mit der Entwicklung der elektrischen Antriebe wurde dann der separate Elektroflug (Kunstflug mit E-Antrieb) eingeführt, da die E-Antrieb mit den Verbrennern noch nicht mithalten konnten. Im Jahr 2017 wurden dann beide Kunstflugwettbewerbe zusammengelegt, da es keine Leistungsunterschiede bei den Antrieben mehr gab.
Nicht immer war der Wettbewerb im Kunstflug für jeden von Erfolg gekrönt. Dadurch hat der Spaß am Wettbewerb zumindest äußerlich kein Abbruch erlitten.
Im Jahr 2017 wurden auch die Segler mit E-Antrieben zum Segelflugwettbewerb zugelassen. Die Chancengleichheit von Windenstart und Steigflug mit Elektroantrieb wurde gewahrt indem aus einer Leistungsmessung der E-Antriebe eine Einschaltdauer für den E-Antrieb berechnet wurde, die für beide Startmethoden die gleichen Ausgangshöhen ergab.
Besuche bei Freunden
Viele Mitglieder warteten sehnsüchtig auf den Beginn der eigentlichen Saison in der wärmeren Jahreszeit. Der Terminplan war dann mit den Flugfesten befreundeter Vereine gut gefüllt. Waren unsere Freunde dieses Wochenende auf unserem Flugplatzfest so traf man sich bald wieder auf den Festen der anderen Vereine, so wir hier auf dem Platz des HAMBURGER Modellsport-Club e.V. in Krümse.
Reisen
Schon in frühen Jahren gingen die Mitglieder alleine oder in Gruppen auf Reisen, um in den Alpen, den Mittelgebirgen oder an den Küsten zu fliegen.
Tagsüber wurde geflogen oder auch in den Dünen gekuschelt.
Eine mächtige Steilküste sorgt für ausreichend Aufwind und tückische Abwinden im Lee.
Abends wurde gebaut und repariert. Kein Skikeller in den Alpen oder Wohnzimmer im Häuschen an der dänischen Nordseeküste war vor dem Umbau in eine Bastelwerkstatt sicher.
Das Fliegen vor dem Alpenpanorama ist schon einmalig
Das Übergangsfluggelände
Die Planung zur Ausweisung des Geländes als Vorranggebiet für Windenergiegewinnung im Jahre 2014 war Anlass für den Verein, sich frühzeitig nach einem neuen Modellfluggelände umzuschauen. Nach 5 jähriger Suche war immer noch kein passendes Gelände gefunden obwohl 35 Standorte auf ihre Eignung hin untersucht wurden. Der Verein pachtete dann in 2 km Luftlinienentfernung vom alten Gelände bei der Ortschaft Tangendorf eine Wiese an, um wenigstens bis 5 kg und elektrisch motorisiert fliegen zu können. Der „Übergangplatz“ wurde rege genutzt und hielt den Verein zusammen. Wer mal über 5 kg und mit Verbrenner fliegen wollte war bei den umliegenden Vereinen als Gast immer willkommen.
Das neue Fluggelände
Im Frühjahr 2020 war dann ein passendes Gelände gefunden. Diesmal südlich von Tangendorf. Die erste Hürde war mit einem 10 jährigen Pachtvertrag genommen. Dank guter Vorbereitung und Zusammenarbeit mit den einzelnen Institutionen erteilte dann am 15.9.2020 die zuständige Luftfahrtbehörde die Aufstiegsgenehmigung für das neue Fluggelände. Es dürfen alle Modelle bis 25 kg ohne wesentliche Einschränkungen geflogen werden.
Die Arbeiten zur Herrichtung des Geländes konnten noch Ende 2020 beginnen.
Eingesät und gewalzt begann im Frühjahr 2021 das Warten auf warmes Wetter und das Grün.
Es war auch die Zeit der Coronapandemie. Den Flugbetrieb hatte man schon im Herbst 2020 aufgrund der Pandemieregelungen weitgehend einstellen müssen. Der Verein entwickelte trotzig eine wahre Modellbauwut.
Am 24.07.2021 was es soweit. Nach kurzem Check, ob die größeren Flieger die teilweise 2 Jahre dauernde Ruhepause auch gut überstanden hatten, konnte dann der Flugbetrieb in allen Klassen aufgenommen werden. Bei den in der Ruhepause neu gebauten Modellen mit Verbrennungsmotor oder Turbinenantrieb war aber die Lärmmessung vor dem ersten Start verpflichtend.
In fast 50 Jahren Vereinsgeschichte haben sich so einigen Mitglieder an der Führung des Vereins versucht. Über hundert Mitglieder und ein reges Vereinsleben sind Zeuge davon dass wohl einiges richtig gemacht wurde.
Die Vereinsgeschichte wird fortgeschrieben.
Der Vorstand der
Modellfluggruppe Ramelsloh e.V.
Im Mai 2021